Geschichte der Fusion St. Bonifatius / St. Aposteln

In den Jahren 1952 – 1954 entstand südlich der Mörfelder Landstraße eine neue
Siedlung, die Fritz Kissel Siedlung. Die Seelenzahl von St. Bonifatius wuchs auf über 15.000, für eine Gemeinde zu viel. Das war der Grund für Pfarrer Dr. Golasch von St. Bonifatius über eine neue Gemeinde für diesen  Bereich nachzudenken. Bischof Dr. Kempf unterstützte ihn bei diesem Ansinnen.

Am 28.05.1957 fand in einer kleinen Notkirche, einer umgebauten Scheune mit 140 Sitzplätzen, der erste Gottesdienst von St. Aposteln statt.  Es entwickelte sich unter Pfarrer Kwasniok eine aktive, eine  lebendige Gemeinde, die 1963 die heutige Kirche mit 400 Sitzplätzen erhielt.

Nach einigen schwierigen Jahren Anfang der 90 er Jahre - St. Aposteln hatte inzwischen keinen Pfarrer mehr - überalterte die einst junge Gemeinde. Die Gottesdienstbesucher wurden immer weniger. Es war kein Leben mehr in der Gemeinde. In Limburg wurde bereits über eine Auflösung nachgedacht. Seit 1996 entwickelte sich die kleine Gemeinde mit jetzt 1500 Seelen jedoch wieder positiv. Zu den alten Gemeindemitgliedern kamen junge Familien mit Kindern. Jung und alt wuchsen zusammen. St. Aposteln war wieder eine lebendige Gemeinde.

Das war Grund genug, bei der Visitation 1999 durch Weihbischof Pischl ganz klar eine  Fusion abzulehnen. “Wir arbeiten gerne mit unserer Mutter zusammen. Wir treffen uns gerne mit ihr. Aber ganz in den Schoss der Mutter zurück, das wollen wir nicht. "Wir wollen selbständig bleiben." sagte ich in einer kurzen Vorstellung der Gemeinde damals.

Doch wie kam es nun zu unserem Umdenken? Wie kam nun das Thema Fusion ins Gespräch? 2002 erhielten alle Gemeinden des Bistums einen Brief von Generalvikar Dr. Geis, der im Auftrag des Bischofs schrieb, dass in den nächsten Jahren die Kirchengemeinden auf ihre Zukunftsfähigkeit kritisch überprüft und verringert werden müssen. Wir in St. Aposteln sind eine der kleinsten Gemeinden in Frankfurt, allerdings noch eine der aktiven Gemeinden. Trotzdem, das war für mich klar, wird das Thema in nicht allzu ferner Zukunft auf uns zu kommen. Hier kam bei mir zum ersten Mal der Gedanke einer freiwilligen Fusion. Das ganze wurde erleichtert durch einen Pfarrerwechsel in St. Bonifatius. Der neue Pfarrer, Pfarrer Leber, war gleichzeitig auch Pfarrverwalter von St. Aposteln und hielt seit seiner Einführung 2003 regelmäßig einen Sonntagsgottesdienst auch in St. Aposteln. Im Designationsgespräch mit Pfarrer Leber, an dem die Pfarrgemeinde - und Verwaltungsräte von St. Bonifatius und St. Aposteln teilnahmen, habe ich beim Vorstellen der Gemeinde St. Aposteln zum ersten Mal das Thema Fusion ins Gespräch gebracht.

Was waren nun die Überlegungen für eine freiwillige Fusion?

Wir waren die erste Gemeinde im Bistum, die sich auf Grund der Sparbeschlüsse mit dem Thema Fusion beschäftigte. Ein wichtiger Grund dafür war: Eine freiwillige Fusion kann man viel leichter einer Gemeinde vermitteln, als eine von oben angeordnete. Man hat keinen Zeitdruck und kann alles in Ruhe überlegen. Außerdem besteht die Möglichkeit gegenüber dem bischöflichen Ordinariat, Wünsche zu äußern.

Der Pfarrgemeinderat  und der Verwaltungsrat von St. Aposteln haben nach reiflicher Überlegung bereits Anfang 2003 noch vor den Pfarrgemeinderatswahlen im November 2003 jeweils einstimmig befürwortet, den Weg der Fusion  zu gehen. Der alte Pfarrgemeinderat von St. Bonifatius hatte jedoch noch Bedenken und wollte die Entscheidung für eine Fusion nicht treffen. Das sollte der neue Pfarrgemeinderat und Verwaltungsrat von St. Bonifatius übernehmen. Beide Gremien stimmten schließlich 2004 zu.

Bereits im Januar 2003 fand ein erstes Gespräch mit Domkapitular Hübinger statt. Er gab uns nähere Informationen über die geplante Fusion.

Ein Fusionsausschuss wurde gewählt. Er bestand aus jeweils 5 Mitgliedern von St. Aposteln und St. Bonifatius. In einem Brainstorming wurden als erstes die Punkte zusammengetragen, über die bei einer Fusion gesprochen und verhandelt werden muss. Pastorale Themen, finanzielle Themen, Gebäudethemen usw. Ein Fahrplan wurde festgelegt in welcher Reihenfolge die Themen behandelt werden müssen.
2004 wurden Herrn Dr. Schüller (Rechtsdirektor des Bistums) und Herr Weidenfeller (Referat Rechnungswesen) zu ersten Gesprächen eingeladen. Hier entwickelte sich eine sehr gute Zusammenarbeit mit  den Herren vom Bischöflichen Ordinariat über die ganze Zeit der Fusionsgespräche hinweg.

Als Fusionsart wählten wir eine Zusammenführung von zwei gleichberechtigten Gemeinden. In beiden Gemeinden gab es noch ein  aktives Gemeindeleben. (St. Bonifatius 4500 Gemeindemitglieder, St. Aposteln 1500 Gemeindemitglieder).

Die Gremien von St. Bonifatius und auch von St. Aposteln haben sich für den Namen der Muttergemeinde St. Bonifatius ausgesprochen. Ein Doppelname oder ein neuer Name schien uns nicht sinnvoll.  Die Kirche St. Bonifatius sollte die Pfarrkirche sein, St. Aposteln eine Filialkirche, wobei uns der Begriff Filiale nicht gefallen hat und auf dem Briefkopf nur Kirche St. Aposteln steht.

Im Siegel spiegeln sich beide ehemaligen Gemeinden wieder. In der Mitte des Siegels sehen wir den Hlg. Bonifatius, aus einem alten Siegel von 1943 übernommen  Der Kopf gleicht dem der Statue, die sich über dem Haupteingang der Kirche befindet. Über dem Bild vom Hlg. Bonifatius   befinden sich 12 Kronen für die  12 Apostel, die sich bisher im Siegel von St. Aposteln befanden.

Die Wünsche, die wir an das Bischöfliche Ordinariat richteten wurden erfüllt. Unser personeller Wunsch war die Anstellung eines Schulseelsorgers: Ihm wurde entsprochen. Für 2 Jahre erhalten wir die Finanzzuweisung wie bisher, als ob wir noch 2 selbständige Gemeinden wären. Dazu werden uns die einmaligen  Fusionskosten (Siegel, Vernetzung Telefon und PC usw.) erstattet.

2005 wurde in St. Bonifatius die Jugendkirche eingerichtet. Im Vorfeld dazu waren viele Gespräche notwendig. In der Gemeinde gab es dazu eine rege Diskussion. Jugendkirche und Fusion in einem Jahr wollte man der Gemeinde nicht zumuten. So wurde die Fusion auf den 01.Januar 2006 verschoben.

Am 21.Januar 2006 feierten wir dann mit Bischof Dr. Kamphaus unseren Fusionsgottesdienst  mit anschließendem Empfang.

Nun ist ein Jahr vorüber. In Erinnerung an die Fusion haben wir im Januar in der Pfarrkirche St. Bonifatius einen Gottesdienst mit anschließendem Empfang gefeiert. Das wollen wir jedes Jahr wiederholen. Rechtlich haben wir die Fusion vollzogen. Es war ein Weg mit vielen Gesprächen, auch mit Kompromissen. Der Weg der Fusion war im Fusionsausschuss und in den Gremien geprägt von einem guten Miteinander.  Bis die Gemeinden selbst zusammengewachsen sind, bis die Veranstaltungen beider Gemeindezentren von allen angenommen werden, wird es noch eine Zeit dauern.  Wir sind jedoch auf dem richtigen Weg.

Hans-Michael Huber
ehemaliger Vorsitzender des Pfarrgemeinderates von St. Aposteln