Über die Kirche und die Gemeinde St. Aposteln

Die Fritz Kissel Siedlung wurde in den Jahren 1950 – 1955 erbaut, um den dringenden Wohnungsbedarf der Nachkriegszeit zu lindern. Das Gemeindegebiet von St. Bonifatius wurde immer größer. Schließlich sNotkirche St. Apostelntieg die Gemeindemitgliederzahl auf über 15 000. Abhilfe tat not.

1955 gab es die ersten Überlegungen einen Teil von St. Bonifatius abzutrennen und eine neue Gemeinde einzurichten. 1956 wurde ein Grundstück ausfindig gemacht und sofort gekauft. Auf diesem Grundstück stand einst eine Ziegelhütte, die bereits seit dem 13. Jahrhundert als Vorwerk des Riedhofs bekannt war. Eine auf dem Gelände stehende Scheune wurde im Frühjahr 1957 außen verputzt und innen mit einfachen Mitteln zu einer Notkirche hergerichtet. Der erste Pfarrer der Gemeinde wurde Hubert Kwasniok, der vorher Kaplan am Dom war. Als Leihgabe, bis zur Fertigstellung einer neuen Kirche erhielt er vom damaligen Stadtpfarrer Prälat Alois Eckert den Apostelaltar aus dem Dom, einen gotischen Flügelaltar aus dem Jahr 1483. Auf seinem Platz im Dom wurde ein Schild angebracht mit dem Vermerk "Ausgeliehen an St. Aposteln". Damit kam Glanz in die bescheidene Hütte und wohltuende Wärme machte die Scheune zu einem schönen Kirchlein von 17 mal 10 Metern mit 144 Sitzplätzen.

 

Der erste Gottesdienst in der Notkirche vor über 600 Gläubigen, die meisten vor der Kirche standen fand an Christi Himmelfahrt, am 29.05.1957, statt. Viele die damals dabei waren, denken noch gerne an diese Zeit zurück. Es entstand ein reges Gemeindeleben mit 3400 Katholiken. Viele Gemeindemitglieder kamen als Flüchtlinge  aus  Oberschlesien, aus dem Sudetenland, aus Pommern und anderen Ostgebieten. Traditionen aus der Heimat wurden in die Gemeindearbeit übernommen.

St. Aposteln früherSchon im ersten Jahr wurde ein Kirchbauverein gegründet. Er sollte die finanzielle Grundlage für den späteren Bau der Kirche schaffen. 7 Jahre feierten wir unseren Gottesdienst in der kleinen Kirche, bis dann am 17.Juni 1963 die Konsekration der neuen Kirche durch Bischof Dr. Wilhelm Kempf erfolgte. Zwei Jahre später wurden die ersten Kinder im neuen Kindergarten aufgenommen. Nun sollte es neun Jahre dauern bis der nächste Bauabschnitt fertig gestellt wurde, das Gemeindehaus. Die Einweihung war 1974. Jetzt erst nach 17 Jahren hatten  wir ein vollständiges Gemeindezentrum mit Kirche, Kindergarten  und Gemeindehaus. Solange hat selten eine Gemeinde darauf warten müssen. Das Gemeindehaus sollte ein Haus der offenen Tür werden, in dem über all die Jahre bis heute immer etwas geboten wird. Etwas Besonderes ist die Kegelbahn im Gemeindehaus. Das war damals etwas Neues. Hier kegeln nicht nur Gemeindemitglieder. Sie ist auch für fremde Kegelgruppen offen. Ein Jahr zuvor, 1973,  erhielten wir noch eine neue Orgel. Die letzte Anschaffung waren dann die Glocken, die 1987 zum ersten Mal zum Gottesdienst riefen. Über viele Jahre hinweg haben die Gemeindemitglieder immer wieder finanziell die Bauvorhaben unterstützt. Ohne die große Spendenbereitschaft wäre das alles nicht möglich gewesen.

Nach 1987 kamen Jahre, in denen die Gemeinde, wie auch die ganze Siedlung überalterte. Junge Familien mit Kindern sah man nur selten. Es waren schwierige Zeiten, die wir als Gemeinde durchlebten.

1989 ging Pfarrer Kwasniok  in den Ruhestand. Als Nachfolger kam Pfarrer Dohnal, der gleichzeitig auch Krankenhauspfarrer in den Universitätskliniken war. Mit seiner Heirat 1993 verließ er uns wieder. Jetzt war Pfarrer Weiler von St. Bonifatius unsere Pfarrverwalter.

In den nächsten Jahren hatten wir drei Kapläne. 1993 – 1995 Kaplan Christe. 1995 – 1997 Kaplan Burghard. 1997 – 1999 Kaplan Gombita. Außerdem hielt Pater Lesch von 1999 – 2002 bei uns Gottesdienst. Dazwischen kam 1996 als Pastoralreferent und später auch als Bezugsperson Stephan Menne. Als im selben Jahr der Pastorale Struktur und Personalplan diskutiert  wurde, hieß es darin, dass St. Aposteln aufgelöst werden sollte.

„St. Aposteln hat seit Jahren rückläufige Zahlen und ist stark überaltert. Die Wohnsubstanz ist so,  dass nicht mit einer Veränderung der Tendenz zu rechnen ist. Es wird vorgeschlagen die Pfarrei komplett der Mutterpfarrei St. Bonifatius einzuverleiben.“

Das waren wörtliche Aussagen im PPP, Aussagen, die damals als sie getroffen wurden, schon nicht mehrt den Tatsachen entsprachen. St. Aposteln war bereits wieder im Umbruch, aber anders als im PPP erwartet.

Mit der Ankunft von Herrn Menne ging es wieder aufwärts. Aus der überalterten Gemeinde wurde in den letzten Jahren eine Gemeinde, in der jung und alt gemeinsam bis heute  das Gemeindeleben gestalten, wobei viele Aufgaben, auch in den Gremien von jüngeren Gemeindemitgliedern übernommen wurden. Bei den Pfarrgemeinderatswahlen hatten wir keine Probleme die erforderliche Anzahl von Kandidaten zu erreichen.

Zusammen mit jungen Familien sind neue Aktivitäten in St. Aposteln entstanden. Einmal im Monat  finden ein Familiengottesdienst  und ein Kinderwortgottesdienst statt. Anschließend besteht die Möglichkeit im Gemeindehaus bei Kaffee und Kuchen, manchmal auch bei einer Suppe miteinander ins Gespräch zu kommen. Zwei Krabbelkreis, ein Miniklub, eine Kindermusikgruppe, eine Messdienergruppe mit über 22 Messdienern, zwei Kinder und Jugendgruppen und ein gemeinsamer Jugendchor mit St. Bonifatius. Alles Aktivitäten  an die wir vor 1996 noch nicht gedacht hatten.
Dazu kommen noch der Seniorenkreis, die Frauengemeinschaft, der Kirchenchor, eine Wandergruppe und Gymnastikgruppe und die jährlichen Gemeindefahrten über mehrere Tage.

St. Aposteln gehörte zu den ersten Gemeinden, die Anfang der 90 er Jahre auf Bitten des damaligen Stadtsynodalrates Wohnsitzlose zuerst im Gemeindehaus und dann in Wohnwagen aufgenommen haben. Die Betreuung erfolgt durch den Caritasverband. Die Wohnwagen sind heute noch belegt.

Der Kontakt der Gemeinde zum benachbarten Konrad von Preysing Haus, ein Haus des Caritasverbandes für geistig behinderte Erwachsene, ist sehr gut.

Erwähnen möchte ich auch noch unsere Brasilienpartnerschaft. Wir unterstützen regelmäßig mit monatlichen Beträgen ein Projekt der Schwestern vom Herzen Jesu in einem Stadtteil von Fortaleza im Nordosten Brasiliens. Damit wird eine Einrichtung unterstützt, die sich um gefährdete Straßenkinder in diesem armen Stadtteil in Fortaleza kümmert.

Wir arbeiten schon einige Jahre sehr intensiv mit unsere Nachbargemeinde und Mutterpfarrei St. Bonifatius zusammen, besonders auf  dem Gebiet der Jugendarbeit  aber auch auf anderen Gebieten. Es gab auch bereits gemeinsame Treffen der Pfarrgemeinderäte und Verwaltungsräte.

Wir gaben aber  in der Visitation 2000 ganz  klar zum Ausdruck, dass eine Fusion mit St. Bonifatius zum damaligen Zeitpunkt für St. Aposteln nicht in Frage komme. Der Pfarrgemeinderatsvorsitzende  Hans-Michael Huber sagte damals:

„Wir kommen gerne zur Mutter, wir arbeiten gerne mit ihr zusammen, aber ganz in den Schoß der Mutter zurück, das wollen wir nicht. Wir wollen selbständig bleiben. Wir wollen unsere Gremien behalten und mit entscheiden.“

Nachdem Pfarrer Richard Weiler, unser Pfarrverwalter, am 31.12.2002 in Ruhestand ging, kam als Nachfolger Pfarrer Norbert Leber. Im Designationsgespräche  mit den Gremien beider Gemeinden habe ich als Pfarrgemeinderatsvorsitzender das erste Mal das Thema Fusion ins Gespräch gebracht. Hintergrund dieser Meinungsänderung war ein Brief des Generalvikars  Dr. Geis aus dem Oktober 2002, wo es um die Sparmaßnahmen ging, und wo er auch schrieb, dass Gemeinden über Fusionen nachdenken sollten. Wir haben das getan und sind inzwischen fusioniert mit St. Bonifatius. Doch davon mehr unter dem Kapitel Fusion.

Noch etwas zu den Gremien:
Der Pfarrgemeinderat hatte seit 1969 drei Vorsitzende.
Herr Reinhard  Hoidn (1969 – 1970)
Herr Hans-Michael Huber (seit 1970 – Dez. 2006 mit Unterbrechungen, insgesamt 26 Jahre)
Frau Ursula Nebel (iinsgesamt 10 Jahre)

Vorsitzender des Verwaltungsrates war bis 1990 Pfarrer Kwasniok und Pfarrer Dohnal. 1990 verzichtete Pfarrer Dohnal auf das Amt des Vorsitzenden und St. Aposteln erhielt die Genehmigung, einen Laien als Vorsitzenden zu wählen.

Zu Vorsitzenden wurde gewählt:
Werner Leimkohl (1990 -1999)
Dr. Karl Schürer (1999 – 31.12.2005 bzw. bis zur Neuwahl des Verwaltungsrates im Febr. 2006)

Hans-Michael Huber

Die Kirche

Die Kirche zeigt architektonisch im Grundriss einen Halbkreis, der sich zum Altar hin verjüngt. Die aus Niederwallufer Quarzitt Bruchstein gefügte Mauer verleiht dem Bau äußerlich eine strenge Kraft. Mit dem geschwungenen Hängedach gleicht die Außenarchitektur einem breiten Boot, das durch und in den Wellen der Zeit besteht. Die äußere Form der Kirche erinnert an das bekannte Kirchenlied „Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt, fährt durch das Meer der Zeit“. Dieses Motiv findet sich auch in der Innenperspektive wieder: Die halbkreisförmige Zuordnung der Gemeinde um den aus Muschelkalk gemeißelten Altar vermittelt entsprechend eine sichere Geborgenheit.

Dieses Motiv ist in besonderer Weise auch für unsere Gemeinde zutreffend. Den Anfang von St. Aposteln bildeten Vertriebene aus vielen Ländern, die in der anfänglichen Fremde in ihrer Kirche St. Aposteln eine neue Heimat im Glauben und im Stadtteil fanden. Auch die Weihe unserer Kirche auf die Heiligen Apostel nimmt diesen Gedanken auf. Der erste Pfarrer, Hubert Kwasniok, formulierte dazu in seinem ersten Pfarrbrief: „Nicht zufällig wurdet Ihr 3400 katholische Christen dem Schutz der Heiligen Apostel anvertraut, die einst über Grenzen hinweg Völker heimholten zu Gott und nun eine gleiche einigende Kraft  auch in der Vielfalt unserer heimatlichen Verschiedenheit erwirken möchten.“

Die Fenster

Die Aufgabe für den Glasmaler, der zum Bau der Kirche hinzugezogen wurde, bestand einmal darin, seine Fenster der Besonderheit der Architektur anzupassen und zum anderen, in seiner Komposition das umfassende Thema der Berufung und Vollendung der Apostel darzustellen.

Die Fenster sollen in formaler Hinsicht das architektonische Motiv des Baukörpers unterstützen, das heißt in diesem Fall, dass die klare Trennung von umrangender Mauer und schwebender Decke spürbar bleibt, ebenso wie der Zusammenhang von Lichtband und großen Fenstern. Das Ansteigen der Decke nach vorn, ihr Zusammenhang mit der Altarrückwand müssen auch durch die Fensterkomposition hervorgehoben werden. Dies soll hier geschehen mittels des die Senkrechte betonenden, gitterartig gegliederten  Grundes, wobei der Wechsel von blauen und weißgrauen Flächen, die die Glasmalerei am stärksten bestimmenden Gliederung ergibt.

Die kunstvollen Kirchenfenster, die eine Fläche von ungefähr 240 qm einnehmen und von allen Seiten dem Kirchenraum eine Fülle von Tageslicht vermitteln, wurde nach Entwürfen des Frankfurter Künstlers Joachim Pick gestaltet. An drei Stellen in der Kirche erscheinen Figurengruppen: zwei größere in den Fensterflächen des Chores und eine kleinere in der Erweiterung des Lichtbandes über der Empore. Dabei ist das blaue Farbband zu beachten, das sich durch alle Fenster zieht und die einzelnen Fenstermotive miteinander verbindet.

Wir sehen rechts die Sendung der Apostel und  in der Mitte eine aufrecht stehende Figur, es ist Jesus Christus mit erhobenem Arm. Er spricht zu Petrus: >Von nun an sollst du Menschen fangen<.  Dieser Auftrag findet seine bildliche Gestalt in einem Netz, einem Netz von Menschen;  unter ihnen in leuchtenden roten Gewändern die 12 Apostel. Das >Fischernetz des Glaubens< öffnet sich nach rechts. Diese Öffnung weist auf die mögliche Befreiung, die Erlösung aus weltlich-menschlichen Problemen und Konflikten durch die gegenwärtige göttliche Liebe in unserem Leben hin, die ihren Ausdruck in dem durchgängig bläulichen Wellenband der Kirchenfenster findet. Das blaue Farbband als göttliche Farbe, Hinweis auf Gott, auf den Himmel, der auch schon jetzt unter uns Menschen angebrochen ist.

Auf der linken Chorseite begegnet uns nun ein rotes Farbband, das auf die Märtyrer hinweist, die als Blutzeugen ihr Leben gaben. Getragen ist dieses Bild durch die apokalyptische Vision des Johannes, ein Thron stand am Himmel, um ihn herum zwölf leere Throne (vgl. Off 4,1-5). Hier wird die christliche Glaubensgewissheit der Auferstehungshoffnung für die Märtyrer und ihre endzeitliche Rechtfertigung wiedergeben. Das diese Hoffnung aber nicht nur die Märtyrer und die erwählten Apostel, sondern alle Christgläubigen umfasst, verdeutlicht die Personengruppe über der Empore, wo durch die pfingstliche Geistsendung alle Menschen in die liebende Gegenwart Gottes hinein genommen werden.

Die Kirchenfenster von St. Aposteln sind somit nicht die künstlerische Gestaltung einzelner biblischer Perikopen, sondern eine Predigt, eine lichtdurchflutete Verkündigung unseres Glaubens. Jesus Christus, die Apostel und die Märtyrer als Fundament unseres Glaubens an die lebendige Gegenwart unseres Gottes in allen Tagen unseres Lebens, in den alle Christgläubigen durch das Pfingstereignis (Fensterbild über der Orgel) hinein genommen sind.

Eine farbenfrohe Kirchenfenster Trilogie, in der es dem Künstler gelungen ist, die Berufung, die Sendung und die Verherrlichung der Apostel und Märtyrer so darzustellen, dass die Einbindung aller Christgläubigen hierin erfahrbar wird.

Die Orgel

Die Orgel wurde erbaut von der Orgelbaufirma Johannes Klais in Bonn. Sie stellt in ihrer schlichten, aber überzeugenden  breitflächigen Prospektgestaltung eine wesentliche Bereicherung des Kirchenraumes dar. Sie hat  1650 Pfeifen und ist mit 24 Registern, auf 2 Manualen und Pedal verteilt ein Instrument mittlerer Größe. Bei mechanischer Spiel- und elektrischer Registertraktur sind dem angebauten Spieltisch als besondere Spielhilfen 6 mechanische Generalsetzer beigegeben, die dem Organisten ein Vorprogrammieren gestatten.

Die Glocken

St. Aposteln hat 5 Glocken.

  1. Christusglocke (Ton cis, 40 Zentner schwer)
    CHRISTUS GESTERN – CHRISTUS HEUTE – CHRISTUS IN EWIGKEIT
    Relief: EGO REX pacem meam do vobis (Ich  der König gebe Euch meinen Frieden)
  2. Apostelglocke (Ton e, 21 Zentner schwer)
    IHR WERDET MEINE ZEUGEN SEIN (Apg. 1,8) HEILIGE APOSTEL, PATRONE UNSERER PFARRGEMEINDE, BITTET FÜR UNS!
    Relief: Abendmahl und Himmelfahrtsgruppe
  3. Marienglocke (Ton fis, 15 Zentner schwer)
    FREU DICH, DU HIMMELSKÖNIGIN, HALLELUJA; BITT’GOTT FÜR UNS, MARIA!
    Relief: Gekrönte Gottesmutter
  4. Heilige der Heimat: (Ton a, 12 Zentner schwer)
    HEILIGE DER HEIMAT, BITTET FÜR UNS.
    Relief: Bonifatius – Elisabeth – Hedwig - Johannes Nepomuk
  5. Totenglocke: (Ton h, 8 Zentner schwer)
    WIR SIND NUR GAST AUF ERDEN.
    Relief: stilisiertes Kreuz

Das Geläut harmonisiert mit den 4 Glocken der Ostergemeinde (h,d,e,fis) und ist trotz seiner 5 Glocken leichter.