Welcome to Tabenken

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Welcome to tabenken parish – willkommen in der Gemeinde Tabenken singen die Kinder der katholischen Schule zu unserer Begrüßung. Schon als wir den Berg zur Kirche hochfahren, strömen von überall her Menschen zum Kirchplatz. Die Frauen, die gerade auf den Feldern der Gemeinde arbeiten, lassen die Harken fallen und laufen singend und mit den typischen Jubelrufen hinter dem Auto her.

Wir werden hier eindeutig erwartet! Vertreter aller Gruppen der Gemeinde von Tabenken, haben sich die Zeit genommen, uns zu begrüßen. Wir bekommen ein im Detail ausgearbeitetes Programm für die nächsten Tage überreicht und schütteln unzählige Hände. Überwältigt von diesem Empfang und etwas überfordert, lassen wir uns zum Mitsingen und Mittanzen motivieren und so langsam dämmert uns, dass wir nicht mal eben so in Tabenken vorbeischauen, sondern dass unser Besuch hier einen ganz offiziellen Charakter hat und eine immense Bedeutung für die Gemeinde. Wir sind hier als Partner aus Herz Jesu Oberrad, als Vertreter, als Repräsentanten und bei all der überwältigenden Freude entsteht eine leichte Panik, ob es uns gelingt, diesen Erwartungen auch gerecht zu werden, was schon damit beginnt, aus dem Stegreif mal eben auf Englisch eine inhaltlich sinnvolle, wortgewandte Rede zu halten.


Die Schulkinder, die zu unserer Begrüßung singen, warten seit 2 Stunden in der Mittagshitze auf unsere Ankunft. Warten lernt man schnell in Kamerun, denn Ankunfts- und Abfahrtszeiten gelten maximal als grobe Richtschnur und durch den desolaten Zustand der Straßen – ein Schlagloch am anderen – dauert jede Fahrt um ein vielfaches länger als die Distanz vermuten lässt. Für uns ist jede Fahrt ein kleines Abenteuer. Der Weg führt uns durch eine traumhaft schöne Natur. Da die Regenzeit schon angefangen hat, ist alles wunderbar grün, dazu die rote Erde, der blaue Himmel und die sanften Berghügel, zwischendurch Teefelder soweit das Auge reicht, Bäume voll mit Mangos, Papayas und Avocados. Idyllisch ist das hier, zumindest auf den ersten Blick.
Tabenken liegt in einem Talkessel und all die zahlreichen „missions“, die zum Gemeindegebiet gehören erstrecken sich über die Hügel ringsum. Eine „mission“ ist ein Kirchort, der noch nicht groß genug ist, um eine eigene Pfarrei zu werden. Hier kommt der Pfarrer nur selten hin und ehrenamtliche Katecheten leiten die Gemeinde, organisieren die religiöse Erziehung in den Schulen und die Unterweisung der Gemeinde. Wir werden gefragt, wie viele „missions“ die Gemeinde Herz Jesu hat und ernten Erstaunen, als wir von keiner berichten können und viel eher darüber nachdenken, ob wir nicht mittlerweile eine „mission“ in der Gemeinde St. Bonifatius sind.
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Insgesamt wird uns schnell klar, dass zwar der Glaube an Gott und die Verbundenheit in Jesus Christus uns vereint, aber Gemeindeleben und alltägliches Leben unterschiedlicher nicht sein können. Die Kirche in Kamerun wächst. Während bei uns die Gotteshäuser leer bleiben, platzen sie hier an den Sonntagen aus allen Nähten. Die Gemeindemitglieder teilen tatsächlich ihr Leben, ihren Alltag miteinander und begegnen sich nicht nur sonntags. Jeder Mann, jede Frau, jedes Kind ist automatisch in einer Gruppe der Gemeinde integriert. Fragen einer christlichen Lebensführung und einer entsprechenden Moral werden offen diskutiert und gelten als Richtschnur für das eigene Leben.
Voller Stolz werden wir in diesen Tagen herumgeführt und treffen überall auf Menschen, die uns erwartet haben, sich freuen, uns zu sehen und uns über sich und ihre Arbeit erzählen wollen. Die Lebendigkeit, die Fröhlichkeit und die Herzlichkeit, die wir erleben dürfen, überwältigen uns und beschämen uns, weil sie in uns auch die Frage aufwirft, wie wir diese Partnerschaft in unserer Gemeinde leben. Wir spenden, das ist gut und richtig, und es gibt noch Vieles, was wir mit unserem Wohlstand in Tabenken unterstützen und erreichen könnten, aber leben wir die Verbundenheit? Spüren wir sie? Tauchen Tabenken und die Menschen dort in unserem Alltag auf - in unseren Gebeten? Wir zumindest hoffen, dass unser Besuch dort in Tabenken auch bei uns hier in Frankfurt Spuren hinterlassen wird. In uns hat er das auf jeden Fall getan. Voller Dankbarkeit und angefüllt mit unzähligen Erfahrungen und Bildern ist eines für uns ganz deutlich geworden: Es gibt einen Unterschied zwischen Patenschaft und Partnerschaft und wir dürfen daran arbeiten, tatsächlich Partner zu sein – Brüder und Schwestern im Glauben.

Gabriele Winkler
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Fotos: Gabriele Winkler